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Kampf-Sport vs. Kampf-Kunst; Was ist der Unterschied

28.10.2023

Gibt es überhaupt einen Unterschied? Ja!

In der Natur kämpfen Tiere, nichts anderes ist der Mensch, um den sozialen Status in der Gruppe, Reviere oder um erworbenes Gut oder einfach um’s nackte Überleben. Bei den meisten Gattungen läuft dieser Kampf in Ritualen ab. Niemand wird verletzt oder gar getötet. Bei manchen Tieren entfällt dieses Ritual, oder zumindest das „nicht töten“. Bei Spinnen zum Beispiel ist jedes Wesen, welches nicht man selbst ist, ein Feind. Auch manche Hominiden töten einander. Schimpansen zum Beispiel, töten alle Schimpansen, die nicht der eigenen Gruppe angehören.

Der Mensch hat zwar von der Natur eine Tötungshemmung der eigenen Art mitbekommen, kann diese aber recht gut übergehen, wenn der Anreiz groß genug ist. Er kann sogar zum Mörder trainiert werden.

In der heutigen Zeit, in unserer Zivilisation, müsste der Mensch eigentlich nicht mehr, für die Bedürfnisse des Lebens, andere Menschen töten. Man kann alles Mögliche Kaufen. Mitunter muss man aber um sein Gut kämpfen. Tödlich, sowie nicht tödlich. In früheren Zeiten häufiger als heute.

Nun hat der Homo Sapiens die Fähigkeit, sich auf noch nicht geschehenes vorzubereiten, es sich überhaupt vorzustellen, was geschehen könnte. Damit hat er die Möglichkeit, für eventuelle Kämpfe zu trainieren. Damit sind wir im Thema.

Geschichte

Seit je her, hat der Mensch versucht, die Gegebenheiten eines realen Kampfes zu simulieren, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Die Sache hat aber einen Haken.

Egal, wie sehr das Kampftraining auch zum Alltag gehören mag, es kann den Ernstfall nicht restlos ersetzen. Das ist heute genauso wahr wie in prähistorischen Zeiten.

In fast jeder Kultur wurden Kriege geführt oder sonstwie gekämpft. In Stammesgruppen oder im Mittelalter wurden schon Kinder an den Kampf herangeführt beziehungsweise, mussten sich ihren sozialen Rang in der Gemeinschaft erkämpfen. Auch das war Training. Vieleicht ein bisschen mehr als im heutigen Kampf-Sport, aber noch kein Kampf auf Leben und Tod. Das war der damalige Kampf-Sport.

Es gab zu allen Zeiten Turniere, in denen sich kampffähige Menschen messen und sozialen Status erlangen konnten. Später waren diese Kämpfe immer mehr mit Ritualen und Regeln versehen, sodass niemand ernsthaft verletzt werden konnte. So gut wie immer glaubte man, dass man auf diese Weise gut für den nächsten Krieg oder realen Kampf vorbereitet ist. Ist es dann so weit, beginnt das Erwachen.

Der Kampf

Ein realer Kampf um das Leben, oder gegen Verstümmelung ist dermaßen traumatisch, dass es für einen Menschen, der das nicht kennt, oder der die nötigen „Abmachungen mit sich selbst“ nicht getroffen hat (was kaum einer tut), kaum vorstellbar. Für uns, die wir in extrem langen Friedenszeiten groß geworden sind, umso mehr. Es gibt natürlich einen Unterschied, ob der Kampf bewaffnet stattfindet, oder nicht. Bzw. ob man befürchten muss, bleibende Schäden davonzutragen, oder nicht.

Allerdings liefen Schlachten im Mittelalter nicht so, wie wir das aus dem Kino kennen. Es ist beileibe nicht so, dass die Heere ineinanderliefen und das Schlachten losging, und nach wenigen Stunden war alles vorbei. Jeder Teilnehmer hatte das Bestreben, möglichst heil aus der Sache herzukommen. Keiner wollte getötet oder verstümmelt werden. Folglich ging es erst mal sehr verhalten los. Bogenschützen kamen zuerst zum Einsatz. Es wurde taktiert und nach Vorteilen gesucht. Das große Sterben ging los, wenn eine Partei einknickte. Dann stürmte die überlegene Seite vor und machte die Fliehenden nieder. Die glorreichen Zweikämpfe aus dem Kino gab es auch kaum. Es ging sehr selten symmetrisch zu. Einer floh und wurde von hinten niedergemacht, oder musste sich gegen mehrere Gegner behaupten. Keiner wollte sterben. Weder die Sieger noch die späteren Verlierer. Am schlimmsten war die letzte Stunde.

Der Sport, das Training

Im Training und im Kampf-Sport, geht und ging es anders zu. Klar, früher waren die Menschen taffer. Ein Schmerz oder blauer Fleck war nichts, worüber es wert war auch nur ein Wort zu verlieren. Noch vor dem zweiten Weltkrieg war es durchaus üblich, dass in Studentenverbindungen Mensuren gefochten wurden. Sowas gibt es noch heute. Nur sehr viel seltener. Eine daraus resultierende Narbe im Gesicht nennt man Schmiss. Wer den Kopf zurückzieht, um nicht getroffen zu werden, gilt als Feigling und verliert den Respekt. Aber, auch das ist Kampf-Sport. Der hat immer eine gewisse Symmetrie. Selbst die Gladiatoren-Kämpfe in Rom oder Boxkämpfe im alten Griechenland (Pankration) hatten die. Auch das war Kampf-Sport. Wenn auch oft tödlich.

Fazit

Reale Kämpfe sind selten symmetrisch. Eine Seite versucht immer, aus einer vorteilhaften Position zu agieren. Heutige Angreifer versuchen zunächst ihr Opfer einzuschüchtern, um den Kampf schon vor dem ersten Schlag zu entscheiden. Entweder, ist es ein Muskelberg, ein kleiner Flinker und sehr aggressiver, oder er hat einfach nur eine riesengroße Fresse. Vielleicht sind es auch gleich mehrere Angreifer. Wenn es dann klatscht, dann ist es nur noch Erniedrigung. Oder man greift von hinten an. Der Kumpel mit der Kamera ist heute oft nicht weit. Minuten später ist das Ereignis im Netz, öffentlich sichtbar für Jeden. Oder man wird einfach ausgeraubt. Ein Mensch, der Kampf-Sport betreibt, hat vielleicht etwas bessere Chancen. Technisch jedenfalls. Mental, selten. Die Welt ist voll von Geschichten, in denen Dan-Träger, auf der Straße die Hucke vollkriegen. Obwohl, Kampf-Sport häufig, immer noch, als Selbstverteidigung verkauft wird. So nett wie es auch ist, sich im Sport zu messen, auf die Realität, ist er keine Vorbereitung.

Damit soll Kampf-Sport beileibe nicht verunglimpft werden. Es gibt weitaus schlechtere Freizeitgestaltungen. Es ist eben nur kein realer Kampf. Es ist der Unterschied zwischen einem Kämpfer und einem Krieger. Der Kämpfer will kämpfen. Der Krieger kämpft nur, wenn er muss.

In der Selbstverteidigung braucht man Scenario-Training, Rollenspiele, Anti-Stress-Training, was einen nötigt, die richtigen Abmachungen mit sich selbst zu treffen. Sonst ist man im Ernstfall, meistens, nicht mehr handlungsfähig.

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