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Form in der Kampfkunst

Begriffserklärung
17.09.2023

Form; Kata, Poomse, Schattenboxen

Was ist Form?

Form im Wortsinn, ist zuallererst mal die äußere Gestalt von Dingen, oder ein Gefäß, welches gefüllt wird und dem Inhalt dann diese äußere Gestalt vorgibt, wie zum Beispiel eine Kuchenform oder die Gussform eines Metall-Verarbeiters.

In der Kampfkunst ist dieser Inhalt, Bewegung. Die Bewegung, lehrt den Adepten, die Technik, die Technik, das Bewegen. Jedenfalls, im Idealfall.

Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten des Aufbaus von Formen. Die meisten Formen zeigen ziemlich genaue Anwendungsbeispiele der Techniken. einige Stile sind sehr abstrakt. Der Inhalt, mehrfach anwendbar. in China führt dass dazu, dass bei den inneren Stilen, Formen Stilübergreifend genutzt werden. Außerdem hatt das den Vorteil, dass der Stil mit viel weniger Formen auskommt. So wird beispielsweise das WingTsun in nur sechs Formen beschrieben, wärend der Schüler beim TaeKwonDo, allein bis zum ersten Dan, acht verschiedene Formen lernen muss.

Der Nutzen von Form

Form in der Kampfkunst, ist also ein nonlinguales Lehrbuch. Also, unabhängig von der Sprache und Lesefähigkeit des Schülers oder Lehrers. Für eine Bevölkerung, die in der Mehrzahl aus Analphabeten besteht und einer Welt, in der es viele sprachliche Barrieren gibt, eine ziemlich geniale Sache, die es außerdem erleichtert, das Wissen weiterzugeben.

Der Schüler bekommt eine Bewegung gezeigt und kann diese üben, bis er sie ausreichend beherrscht. Ist das der Fall, bekommt er die nächste Bewegung. Hat er eine gewisse Anzahl, Bewegungen im Repertoire, kann das Ganze dann zu einer Bewegungsfolge zusammengebaut werden, in der dann auch Beispiele für Anwendungen enthalten sind. Eine Form ist entstanden. Die Festlegung auf eine bestimmte Reihenfolge stellt sicher, dass nichts vergessen wird und dass man symmetrisch übt, damit keine Körperseite (jeder hat seine Lieblingsseite), vernachlässigt wird.

In den meisten Formen asiatischer Kampfkünste und Sportarten, beginnt eine Form oder ein Abschnitt mit oder nach der linken Seite. Das hat verschiedene Gründe. Etwa 90% der Weltbevölkerung ist rechtshändig. Die rechte Seite würde also bevorzugt trainiert. So aber, ist man gezwungen, zuerst die unbequeme Seite anzusprechen. Das, was man zuerst macht, macht man mit mehr Konzentration und Achtsamkeit. Außerdem gibt es ein Phänomen, dass alles, was der Rechtshänder mit links übt, einen Einfluss auf die dominante Seite hat. Rechts wird quasi mittrainiert. Das spart jede Menge Zeit. Für Linkshänder sollte es umgekehrt sein. Wenn man die dominante Seite zuerst trainiert, entfällt dieser Effekt.

Der Nachteil von Form

In den meisten asiatischen Kulturen, wird zu lernendes Gut, etwa eine Bewegung gezeigt, damit der Schüler sie dann nachahmen kann. Erklärt wird wenig bis gar nicht. Ist die Ausführung nicht zufriedenstellend, wird nochmals gezeigt und der Schüler darf weiter üben. Bis das Ergebnis passt. Theoretisches Wissen ist nicht erforderlich. Auch nicht beim Lehrer. Nachfragen vom Standard-Schüler ist nicht erwünscht. Diese Lehrmethodik wird sehr oft von westlichen Lehrern übernommen. Weil es ja Traditionell ist. Doch, traditionell heißt erstmal, dass nichts verbessert wurde. Allerdings, auch nichts verschlechtert oder verwässert. Wenn es aber um Didaktik geht, sollte man sich der Kultur anpassen, deren Vertreter man unterrichtet. In Asien scheint das kopierende Lernen einigermaßen zu funktionieren. Sonst hätte jeder Führerschein-Neuling sofort nach der Prüfung Unfälle (Die lernen auf abgesperrtem Gelände und bekommen JEDE Aktion angewiesen). Im Westen jedoch, funktioniert das nicht. Wir brauchen den Blick in die Tiefe. Das wie und warum. In Vergleichen hat sich gezeigt, dass die westliche Didaktik besser funktioniert.

Wie sollte man Formen üben

Unabhängig davon, ob man Kampfsportler oder Kampfkünstler ist, sollte man die einzelnen Elemente einer Form für sich üben. Vor allem, wenn man mit dem Ablauf noch nicht vollständig vertraut ist.

Wärend meiner Laufbahn als TaeKwonDo Lehrer, habe ich immer wieder damit zu kämpfen gehabt, dass Schüler, die eine Form üben sollten, ständig mit dem Ablauf beschäftigt waren und der eigentliche Inhalt an ihnen vorbei ging. Nun hat die TaeKwonDo Formen-Sätze, jeweils ein geometrisches Schema, mit dem man die Form in leicht übbare Abschnitte aufteilen kann. Der Schüler lernt zunächst einen Abschnitt, ohne sich Gedanken über den Ablauf der gesamten Form machen zu müssen. So kann er die einzelnen Komponenten der Form üben und den Inhalt erkennen und lernen. So sollte man Formen immer üben. Egal, ob man den Ablauf nun in seiner Gänze kennt, oder nicht. Wozu ist dann der Ablauf einer Form überhaupt da? Die Antwort ist: damit man nichts vergisst. Der Mensch macht es sich ja einfach, wenn es geht, und übt nur, was Spaß macht, oder was er schon gut kann, oder leicht lernt.

Aus dem Kontext des Ablaufes gerissen, gibt eine Form plötzlich viel mehr von ihrem Inhalt preis.

Fazit

Bei Besuchen von westlichen Abordnungen der EWTO in Honkong und Fatsan (die Wiege des WingTsun), gab und gibt es immer wieder Vergleiche, bei denen Westliche WingTsun Anwender sehr gut dastehen. Es gibt Videos (meist unter Verschluss gehalten, um den jeweils unterlegenen Teilnehmer nicht zu brüskieren) die das belegen.

In China, Korea und Japan gelten die Formen als das grundlegendste und fortgeschrittenste einer Kampfkunst. Tatsächlich ist es die Grundlage. Die Form lehrt Bewegung, die Bewegung lehrt Technik, die Technik lehrt das Bewegen. Kann man sich richtig bewegen und hat Strategie und Taktik gelernt, hat alles Vorherige seinen Zweck erfüllt.

Die Versportlichung einer Kampfkunst führt dann leider dazu, dass die Bewegungen, ästhetischen Grundsätzen folgend, in bestimmter, nicht funktionaler Ausführung gezeigt werden müssen. Das sollen dann Kampfrichter bewerten, die offensichtlich jeden Sinn für Funktionalität verloren, oder nie erworben haben. In den Kampf-Wettbewerben sieht man dann auch nie eine saubere Technik. Weil das geübte nicht funktioniert, und/oder, ob seiner Fülle an zu treffenden Entscheidungen, nicht zur Verfügung stehen.

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